Deutsche Schlafwagen- und

Speisewagen-Gesellschaft m.b.H.

D S G

 
         

Aufgrund der politischen Teilung Deutschlands in die "Trizone", die 1949 zur Bundesrepublik Deutschland wurde, und in die "Ostzone", ab 1949 Deutsche Demokratische Republik (DDR), wurden auch die Bahnbetriebe dieser beiden Gebilde getrennt. Die "Deutsche Reichsbahn" mit Sitz in Berlin wurde von der DDR beansprucht, die "Deutsche Bundesbahn" mit Sitz in Frankfurt/Main 1949 gegründet.

Analog erfolgte auch die Beanspruchung der "MITROPA AG" mit Sitz in Berlin durch die DDR. Folgerichtig wurde 1949 im Rahmen des "Bundesbahn-Gesetzes" beschlossen, die MITROPA-Direktion West in Frankfurt/Main mit den "Speisewagenbetrieben Hamburg" in eine eigene Gesellschaft zu überführen. Zum 1. April 1950 nahm die "Deutsche Schlafwagen- und Speisewagen-Gesellschaft m.b.H. mit Sitz in Frankfurt/Main als 100%-Tochter der Deutschen Bundesbahn den Geschäftsbetrieb auf. Die MITROPA AG mit Sitz in Ost-Berlin behielt ihren rechtlichen Sonderstatus auch nach Gründung der DDR ebenso bei wie ihr Grundeigentum und Vermögen. Aufgrund der Regelung der Vier Mächte konnte sie nicht verstaatlicht und nicht in einen sozialistischen Betrieb umgewandelt werden und blieb damit die einzige privatrechtliche Aktiengesellschaft in der DDR.

Die DSG unterhielt (Stand 1964) über 260 Schlafwagen, 280 Speise- und Wirtschaftswagen, 14 Betriebsstellen, ein Reparaturwerk, Wäschereien, Bäckereien, Metzgereien, Weinkellereien und eine Betriebsschule für die insgesamt 5000 Mitarbeiter. Dazu kamen Beteiligungen (ebenfalls Stand 1964, Quelle: Der SPIEGEL Heft 3/1964):

  • 16 eigene Tochterfirmen, darunter die Bahnhofsgaststätten in Stuttgart, Mannheim, Frankfurt, Koblenz, Hamburg-Altona und Flensburg.
  • Die DSG unterhielt Dependancen in Puttgarden auf der Ostsee-Insel Fehmarn sowie auf dem Flughafen in Stuttgart-Echterdingen.
  • Mit der Euro-Motel GmbH, pachtete Mutz die Straßen-Rasthäuser bei Flensburg, Alsfeld in Oberhessen und Müllheim nördlich Basel.
  • Die See-Motel Achern AG baut an der Autobahn bei Rastatt eine Super-Campinganlage für die DSG, erwarb in Wien den Restaurationsbetrieb Kaserer GmbH und war eine Zeitlang Pächter des renommierten Schlemmerlokals "Mutter Krauss" in Schwalbach im Taunus.
  • Zum DSG-Imperium gehörten ein Kneipp-Hotel in Bad Wörishofen sowie das Café "Kö-Blick" in Düsseldorf.
  • Für 14 Millionen Mark errichtete die DSG 1963 zu Köln das mit 300 Betten und 150 Autogaragen ausgestattete Hotel Mondial.
  • Über die DSG-eigene Gurmenia GmbH schließlich kontrollierte die DSG das Hotel auf dem Nebelhorn bei Oberstdorf, das Frankfurter Restaurant "Drei Hasen" und die Getränke- und Spirituosen GmbH Rastatt, die Zentralkellerei der DSG.

Während die angepachteten Hotel- und Restaurationsbetriebe florierten, wurde die Schienengastronomie trotz aller Bemühungen nicht recht rentabel. So erfordert der Fahrbetrieb jährlich Zuschüsse von mindestens drei Millionen Mark. Allerdings kassiert die Bundesbahn von ihrer DSG 15 Prozent der Schlafwageneinnahmen und feste Kilometergelder für die Speisewagen.Als Markenzeichen führte die DSG weiterhin das MITROPA-Symbol.

1959 wurde die Warenzeichen-Frage durch ein bilaterales Abkommen gelöst: die MITROPA der DDR liess den Adlerkopf aus dem Markenzeichen entfallen und schuf so die "Gefriergans" - man hatte bis zur Wende dort ohnehin nur wenig Essbares anzubieten. Die DSG erhielt das Recht, das bisherige MITROPA-Warenzeichen weiter zu führen und konnte dieses Recht auch gegen die Ansprüche Frankreichs aus 1954 durchsetzen.

Mit dem Ausscheiden des Geschäftsführers Karl Mutz 1964 wurde die Geschäftsleitung, wie schon andere Führungsaufgaben in der DSG zuvor, endgültig in die Hände von planstellenlosen Spitzenbeamten der Bundesbahn und des Verkehrsministeriums gegeben und seither wie eine Behörde geführt.

1966 gab die DSG ihre Speisewagen an die DB ab und bewirtschaftete diese im Rahmen eines Vertrages weiter.

Als Folge des Transitabkommens zwischen der BRD und der DDR wurde die Zusammenarbeit zwischen DSG und MITROPA 1971 vertraglich neu geregelt.

1971 führte die DSG im Rahmen von Modernisierung des Unternehmensauftrittes ein neues Warenzeichen - ein stilisiertes Kleeblatt - ein und kleidete die Speisewagenkellner fortan dem Zeitgeschmack entsprechend in einer orangenen "Frisörjacke" mit brauner Hose.

1976 übergab die DSG dann auch die Schlafwagen und auch deren Vermarktung an die DB, um sie im Rahmen eines Bewirtschaftungsvertrages analog zu den Liegewagen weiter personell zu besetzen. Gleichzeitig gab die DSG auch die beiden Werkstätten ab.

Als Folge der Wiedervereinigung wurde die DSG 1994 mit der MITROPA Berlin zur MITROPA AG mit Sitz in Berlin verschmolzen. Zum Sommerfahrplan 2002 gab die MITROPA AG die Bewirtschaftung des Eisenbahnbetriebes an die DB AG ab und 2003 wurde die MITROPA AG von der DB AG an ein britisches Unternehmen verkauft. Die Fährlinie Puttgarden-Gedser war ebenso wie die ehemalige DR/MITROPA-Linie bereits 1999 an das dänisch-deutsche Unternehmen Scandlines übergegangen.

   
© Will Berghoff 2013
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